LRS-Förderung an der Gesamtschule Nord

Vorbemerkung:

Die vorliegende Handreichung richtet sich an die Eltern von Kindern mit einer LRS. Sie wurde in Zusammenarbeit mit der Schulleitung, FK Deutsch und den LRS-Beauftragten entwickelt. Ihr Ziel ist es, einen knappen Überblick über die wichtigsten Fragen zum Thema ‚LRS-Förderung an der Gesamtschule Nord’ zu geben.

Lesehinweis: Kursiv gedruckte Passagen sind Vorgaben aus dem LRS-Erlass

 

1. Allgemeiner Teil

1.1 rechtliche Grundlagen

Art. 3 GG - LRS-Erlass – Schulgesetz – Kernlehrpläne - Beschlüsse der Fachkonferenzen

 

1.2 Wer gilt als LRS-Schüler?

„... Schülerinnen und Schüler, bei denen besondere Schwierigkeiten im Erlernen des Lesens und Rechtschreibens beobachtet werden.“ (Erlass 1.2)

In den Jahrgangsstufen 3 bis 6: „alle SuS, die einer zusätzlichen Fördermaßnahme bedürfen“

für die Jahrgangsstufen 7 bis 10: „besonders begründete Einzelfälle“ (Erlass 4)

 

1.3 Diagnose / Anerkennung

Die Diagnose ist unerlässlicher Bestandteil einer darauf folgenden adäquaten Förderung.

  • Die Klassen- und Deutschlehrer des 5. Jahrgangs beobachten die Rechtschreibleistungen der Schülerinnen und Schüler bis zu den Winterferien. Einen Anhaltspunkt gibt zusätzlich der ‚Duisburger Sprachstandstest‘.
  • Getestet wird mit der ‚Hamburger Schreibprobe’ (HSP), einem standardisierten Verfahren. Bei einem Prozentrang unter 15 ist eine Förderung dringend angeraten.
  • Am Ende des 5. und 6. Jahrgangs findet ein zweiter Test statt, um Fördererfolge und ggf. weiteren Förderbedarf festzustellen.
  • Ergänzt werden die Ergebnisse des Tests durch die Beobachtungen der Deutsch- und Fremdsprachenlehrer im Jahrgang, die die Förderschwerpunkte durch Text- und Fehleranalyse ergänzen.
  • Da eine LRS in ein komplexes Bedingungsgefüge eingebettet ist, gehen auch die Beobachtungen der Tutoren und anderer Kollegen in die Diagnose ein.
  • Medizinische Diagnosebescheinigungen werden jederzeit anerkannt, sind jedoch für eine sinnvolle Förderung dem Klassenlehrer bereits zu Beginn des 5. Schuljahres in kopierter Form vorzulegen.

 

1.4 Information der Lehrkräfte

Die LRS-Beauftragten informieren zu Beginn jedes Schuljahres alle betroffenen Lehrkräfte darüber, welche Schüler und Schülerinnen als LRS-Schüler anerkannt sind.

 

1.5 Leistungsmessung / Nachteilsausgleich:

„Die Rechtschreibleistungen werden nicht in die Beurteilung der schriftlichen Arbeiten und Übungen im Fach Deutsch oder in einem anderen Fach mit einbezogen“ (LRS-Erlass 4.1)

„Bei Tests zur Feststellung der Rechtschreib-Leistung ... kann die Lehrkraft eine andere  Aufgabe stellen, mehr Zeit einräumen oder von der Benotung absehen.... In den Fremdsprachen können Vokabelkenntnisse durch mündliche Leistungsnachweise erbracht werden.“ (LRS-Erlass 4.1)

Gemäß diesen Vorgaben des Erlasses wird den Schülern der für alle Fächer geltende Nachteils-ausgleich gewährt.

 

1.6 Umsetzung des Nachteilsausgleichs

Den diagnostizierten Schülern soll bei Leistungsfeststellungen ein auf die je individuellen Bedürfnisse abgestimmter Nachteilsausgleich gewährt werden. Es gibt also verschiedene Möglichkeiten der Umsetzung, z.B.

  • eine andere Aufgabe stellen
  • mehr Zeit für die Bearbeitung einräumen
  • mit einem PC arbeiten lassen
  • Hilfe zur Texterfassung bei Aufgabenstellungen, z.B. durch Vorlesen der Aufgabe
  • Leistungskontrollen sowie die Lektüre von um-fangreichen Literaturtexten frühzeitig ankündigen

 

2. Deutsch

Neben dem allgemeinen Auftrag zur individuellen Förderung werden an der Gesamtschule Nord in dem zweiten Halbjahr Jahrgang 5 bis zum Ende des ersten Halbjahres Jahrgang 7 zwei LRS- Förderkurse eingerichtet.

Ziel der Förderung ist es gemäß des LRS-Erlasses die Note ausreichend in Rechtschreibleistungen zu erlangen.

 

2.1 Förderung in Kleingruppen

Nach der Zuweisung zur Rechtschreibförderung werden die Schüler in Kleingruppen (6-10 Schüler) von geschulten Deutschkollegen in zwei Stunden in der Woche zusätzlich gefördert.

 

2.2 Teilleistungstraining

  • Visuelle Wahrnehmung
  • Auditive Wahrnehmung
  • Räumliche Wahrnehmung
  • Konzentration
  • Gedächtnis
  • Selbstwert
  • Individuelles Rechtschreibsymptomtraining

 

Ganz wichtig ist natürlich auch, dass Bereitschaft und Spaß zum Lesen und Schreiben von Texten wieder geweckt werden.

 

3. Einbettung in den Unterricht

Die individuelle Förderung wird natürlich auch in den Deutsch- und Fachunterricht eingebettet. 

Dabei werden die Lehrkräfte von den LRS-Beauftragten unterstützt.

Viele LRS-Schüler haben auf Grund ständiger Misserfolge eine geringe Selbstsicherheit und  Lernfreude. Die Stärkung von Selbstbewusstsein, Motivation und Lernfreude sind wichtige Ziele in allen Unterrichtsfächern.

 

4. Evaluation

Jährlich findet eine Evaluation des Lernfortschritts der geförderten Schüler statt. Damit soll die Wirksamkeit des Förderunterrichts insgesamt, aber auch die individuellen Fortschritte der Schüler überprüft werden. Getestet wird mit der ‚Hamburger Schreibprobe’, aber auch die Rückmeldungen besonders der Deutschkollegen sind wichtiger Bestandteil der Beurteilung.

Die Förderung sollte im Allgemeinen mindestens zwei Jahre lang stattfinden, da sonst eine vollständige Automatisierung nicht gewährleistet ist.

In besonders schwierigen Fällen wird die Hilfe des schulpsychologischen Dienstes bzw. anderer externer Spezialisten in die Beratung der Eltern einbezogen.

 

5. Kooperation und Kommunikation

Der stetige Austausch zwischen den Förderlehrern und den Kollegen im Team sowie mit den betroffenen Eltern ist uns sehr wichtig. Wir legen Wert darauf, dass die Eltern ihre Kinder zu Hause unterstützen und das Erlernte im Rahmen der zeitlich begrenzten Möglichkeiten einer Ganztagsschule vertiefen.